Mit dem Bürstenbinder unterwegs

 

TODTNAUBERG. Monatelang unterwegs, ohne Kontakt zu Familie oder Freunden und dabei kaum genug Geld, um sich regelmäßig etwas zu essen kaufen zu können. Entbehrungsreich und mühselig präsentierte die Trachtengruppe Todtnauberg das unstete Leben eines Bürstenbinders beim "Kulturig"-Abend im Kurhaus.

 

Kulturig-Abend in Todtnauberg: Die Drescher Reinhard Brender (links ) und Heribert Wunderle flegeln sich ins Stroh. Wunderle wurde für 20 Jahre Trachtengruppe vom Bund Heimat und Volksleben geehrt. | Foto: Felix Held

Der Erste Vorsitzende der Trachtengruppe, Hans Georg Bergmann, alias der Bürstenbinder, nahm die Gäste mit auf die mühsame Reise und gab ihnen dabei auch einen Einblick in die Geschichte Todtnaubergs, des Schwarzwalds und des Dreiländerecks. Die Bürstenbinder vom Feldberg waren nämlich nicht nur in Deutschland unterwegs. Auch nach Frankreich und in die Schweiz verschlug es sie bei ihrem Versuch, die Bürsten, die im Winter in mühsamer Handarbeit von der ganzen Familie hergestellt wurden, zu verkaufen. Dabei blieb natürlich auch so manche lustige Bekanntschaft nicht aus, und auch von der Sprachbarriere auf seinem Weg nach Straßburg ließ sich ein echter Bürstenbinder nicht davon abhalten, seine Ware an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Das zeigte Hans Georg Bergmann bei seiner Begegnung mit einer Französin (Fabienne Mühl), die dem charmanten Schwarzwälder nicht widerstehen konnte und ihm prompt eine Bürste abkaufte.

Insgesamt siebzig Mitwirkende waren im Einsatz, so spielte die Trachtenkapelle Todtnauberg zum Tanz auf und die Kindertrachtentanzgruppe unter Leitung von Kathrin Brender, die auch die Dialoge für das Programm schrieb, zeigten ihr Können. Der Bürstenbinder griff auch schon einmal zur Gitarre. "En Bürstebinder bin i, un i bi froh, dass i's bi", ließ er die Zuhörer wissen. Ob er allerdings den schönsten Beruf hatte, darüber wurde das letzte Wort an dem Abend nicht gesprochen, denn der Schmied (Georg Mühl), behauptete seinerseits, den schönsten Beruf zu haben. Diese Behauptung untermalte er mit einem Lied, wobei er seinen Amboss als Instrument benutzte und ihn im Zusammenspiel mit der Trachtenkapelle hell erklingen ließ.


Hell klangen auch die Meißel der Todtnauberger Bergleute. Der helle Klang des Metalls war dabei ein schöner Kontrast zu dem düsteren Stollen, aus dem sie auf die Bühne gekrochen kamen. Mit ihrer Hilfe konnte der Bürstenbinder der Schmuckhändlerin (Kathrin Brender), auf die er ebenfalls traf, erklären, woher die Rohstoffe für das Geschmeide stammten. Mit ihr zusammen sang er ein wunderschönes Duett "I vermiss di so", riefen die beiden Handelsreisenden ihren Angehörigen zu. Text und Melodie hatte Hans Georg Bergmann sich selber ausgedacht.

In der Schweiz traf der Handwerker auf die drei Alphornbläser Erwin Schubnell, Alfred Kaiser und Kurt Mühl, die Alpenstimmung ins Kurhaus brachten. Wie es zur Erntezeit zuging, zeigten ein paar Dresch-Flegel (Heribert Wunderle und Reinhard Brender), die im Stroh faulenzten und erst von ihren Frauen zur Arbeit, dem Dreschen, gebracht werden mussten. Letztlich brachte der Bürstenbinder nicht nur seinen Lohn mit nach Hause, denn in Baden-Baden traf er zwei Gäste aus Berlin (Simon und Sabine Sütterlin), denen es in der Kurstadt aber einfach zu laut war. Deswegen lud er sie kurzerhand auf den beschaulichen Todtnauberg ein. Damit wurde also auch das Geheimnis gelüftet, wie die ersten Touristen den Weg auf den Todtnauberg fanden.

Zu den Klängen von Robbie Williams, ABBA und den Les Humphries Singers zeigte die Trachtengruppe mit teils akrobatischen Einlage, dass sie nicht nur traditionelle, sondern auch moderne Tänze perfekt beherrscht.

Alfred Knauber, der Kreisobmann des Bund Heimat und Volksleben (BHV) zeigte sich beeindruckt von dem vielfältigen Programm. Er ehrte Heribert Wunderle für 20 Jahre Mitgliedschaft in der Trachtengruppe Todtnauberg mit der Ehrennadel in Bronze des BHV.

 

Bericht = Badische Zeitung