Gerhard Jung (* 10. August 1926 in Zell im Wiesental; † 25. April 1998 in Lörrach) war deutscher Mundartdichter und Schriftsteller. Er komponierte und sang auch Lieder in Alemannisch, die Mundart, in der auch die meisten seiner Texte verfasst wurden. Er war besonders im Schwarzwald für seine Gedichte bekannt.

 

(Quelle = Wikipedia)

 

 

 

 

Di ganz chleine Glückli,

wo jede gern mag:

e Rösli am Hag,

e Bach un e Brückli,

e Himmel, wo s Sternli hät

un e Mensch,

wo di gern hät,

sell

schenk Dir de hergott,

wenn s goht, jede Tag!

 

 

 

Dank

 

Herrgott, wie isch die Welt so schön,

will s Mensche git,

wo eim verstön

un mit eim göhn

un zue eim stöhn

in Not un Leid

un Lust un Freud,

in Schmerz un Angst un Einsamkeit,

wo über jeden emol chunnt.

I will dr s danke

alli Stund.

 

Dank für e Mensch, wo a mi denkt,

für ein, wo mir e Grueßwort schenkt,

für ein, wo mit mr zsämmeschafft,

aß ein im andere si Chraft,

si Hilf isch un sin treue Halt,

wenn Zitewirbel uns mit Gewalt

in d Finstri wön abeschlah.

Dank für de Freund,

i chönnt kei bessre ha.

 

Dank für mi Frau, für mini Chinder Dank.

Bhalt mr si gsund.

E Flammli glüeht (Lied)

 

E Flämmli glüeht, e Lichtli brennt,

s isch niemer, wo mer sage chönnt,

wo s hoch un tief, wo s breit und wit

so hell wär in de dunkle Zit.

 

E Lichtli brennt, e flämmli glüeht,

un us em lis e Blüemli blüeht,

es wärmt sich an dem Flämmli sacht

und friert nit in de Winternacht.

 

O Liechtli!

Vo diim Schimmer gärt s

en einzig Fünkli nur, mii Herz.

No chönnt em in diim warme Schii

au zmits im Winder Früehlig sii.

Menschlichkeit

 

Bi allem was an Freud und Leid

an Sorge und Sege s Lebe trait

bi allem, was mer weiß un wott

un allem, was mer mache sott,

un allem was mer mache cha,

un was mer macht,

chunnts dodruff a:

aß ein zum andre goht

un sait: I hilf dr!

Des isch Menschlichkeit.

Mi i Tracht

I trag mi i Tracht!

I trag si stolz

mi seel, i schömm mi nit.

Un wenn en ander drüber lacht,

was chümmret s mi?

I weiß: Mi i Tracht

isch s sxchönsti Chleid, wo s git!

 

I trag mi i Tracht de Heimet z lieb

un d Heimet halt i hoch!

I trag mi i Tracht un schämm mi nit.

I trag mi i Tracht un gang miin Schritt

und schwätz mi i Muettersproch!

Mir Mensche

 

Mir Mensche sin an Zit verlore,

 sin hilflos in e Zit gebore,

wo mir nit gschaffe hän.
Zit
isch im Guete un im Böse
e zitlos dunkel Rätselwese
un frogt nie, was mir wön.

Zue allem, was dir nutzt un schadet
bisch zitverdammt,
un zitbegnadet,
bloß eifach, wil du bisch.
De magsch es Gott, Gschick, Zuefall nenne,
du selber wirsch nüt mache chönne
als a' neh,
so wie s isch;
un ohni froge un werweiße
de Zuefall Zit dii Lebe heiße,
wo wider witergisch.

Denn d Zit lauft doch zue allem ane
nit in vu usse gsetzte Bahne.
De Mensch isch s, wo si macht.
Er macht seIl Gsetz
un selli Norme,
wo Guet un Bös inanderforme.
Er schniideret die Tracht,
wo d Zit vu andre Zite scheidet,
wo jedi eigeständig chleidet
un s eige Wese git.

Doch, hät de Mensch sii Zit begriffe
un ghaue, ghoblet, gfräßt un gschliffe,
no isch er - us de Zit.
Mueß zmol erfahre hintrem Wandre:
Mer formt sii Zit für selli andre,
wo noch eim duregöhn.
Un selli müen mit unsrer Erde
un unsrem Zitgeist fertig werde -
au, wenn s en nit verstöhn.

Du chasch nit für di selber schaffe!
Für die wo chömme
bruuchsch du d Waffe,
de Wille un de Muet.
Drum muesch
bi allem Tue un Ränke
zerscht all an die wo chömme denke.
No werde d Zite guet!

 


Mit offene Hände

 

Göhn mit offne Hände

ufenander zue,

soll die Welt sich wende,

mueß mer öbbis tue!

Lueg, die Weg un Gräbe

in de offene Hand

sin für s Menschelebe

Zeiche wo mer chennt,

Zeiche, wo mir eige,

ganz mir eige sin,

un doch andre zeige,

was i sinn un spinn.

Wenn i fre un offe

zue me andre gang,

chönne beidi hoffe:

D Liebi lebt no lang.

Us de offne Hände

ströme Chraft un Muet.

Wenn die Sege spende,

no würd s Lebe guet.

 

So un so!

 

E Mensch trait Tracht,

en andre lacht

und denkt debii:

Des mueß ein sii,

de hät Petroli-Liecht im Huus,

zieht d’Hose mit de Zange uus

un lauft, wenn er ins Städtli mueß

zwänzg Kilometer zleid no z’Fueß.

 

De ander Mensch,

wo Tracht no trait,

de denkt debii:

I machs us Freud

Un zieh au d’Tracht für andri a.

`S hät mänke jo sin G’falle dra,

e soone Trachtechleid no z’seh;

un mir g’fallt’s au.

Was will i meh?

 

De eind denkt so,

der ander so.

Henusejo

Mr mueß es lo.

I frog bloß

ob m’r sage chönntsch:

Wer isch do menschlicher

als Mensch ?


Vergelt`s Gott

 

bevor mer tüen s Altjohr überetrage,

lö mi Euch alle Vergelt`s Gott sage.

Mitnandder hä mer dur Freuden und Leid

sell Fünkli Liebi witertrait

dur d Chälti un s Elend vo unsere Zit,

aß es all andere Hoffnige git.

Vergelt`s Gott für alles!

Un en einzigi Bitt:

Hergott, bhalt is binander

und gib is d Chraft zum witerschaffe.

Meh bruuche mer nit!

Wenn Fride witt 

 

Wenn Fride witt,

bruuchsch frohi Lüt!

Di giftige,

di zornige,

di suure,

un di hornige,

wo s Millione dävo git,

die schaffe s alli zsämme nit.

Wenn Fride witt,

bruuchsch frohi Lüt!


Z Liecht goh

 

Z Liecht goh zuenander,

wo ne Lampe brennt;

schwätze mitenander;

emol eins um s ander

Hirni, Herz un Händ

uusrueh vo de Dinge,

wo suscht  wichdig sin.

Schöni Lieder singe,

d Seele mitlo klinge,

zìnnerst in eim inne.

Mitenander lache!

Freud ge! Freud un Muet

au zue selle Sache,

wo eim z schaffe mache.

Lueget - sell isch guet!

Mensch sii!

Eins wie s ander

Dört, wo d Lampe brennt.

Schwätze mitenander.

Do sii - eins für s ander -

segnet

Hirni, Herz un Händ

Z Licht goh

zuenander!

* * * * *

 

s isch niene uf de Welt

so schön,

wie dört, wo

d Mensche sich verstöhn

in ihrem Tue

un ihree Traüm.

Dört schaffe si enand

s Deheim!

* * * * *

 

Vo hunderttausig guete Wünsch,

schenk i Dir nummen eine:

 

Aß all Tag neume Mensche finsch,

wo s mit Dir ehrlich meine!